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Sächsische Schweiz

Region

Ein Bild sagt mehr wie tausend Worte:

Die Sächsische Schweiz ist nur eine kleine Region im Freistaat Sachsen, aufgrund ihrer topografischen und geologischen Struktur aber gleichzeitig eine der reizvollsten.

Sie ist Teil des Elbsandsteingebirges, welches sich zwischen Erzgebirge und Lausitzer Gebirge von Pirna bis Děčín entlang der Elbe erhebt. Der tschechische Teil des Elbsandsteingebirges trägt heute analog den Namen Böhmische Schweiz. Das Gebiet umfasst eine Fläche von rund 700 qkm, wobei drei Viertel dieser Fläche auf deutscher Seite liegen. Teile des Elbsandsteingebirges wurden zum Schutz der Natur als Nationalpark ausgewiesen. Vor allem unter Wanderfreunden ist diese Region mit ihrer teils romantischen und teils rauen Schönheit bekannt und beliebt.

Aber auch für uns Motorradfahrer hat dieses Gebiet etliches zu bieten. Ob nun Motorradwandern mit erhebenden Ausblicken oder der heiße Reifen angesagt ist, bleibt jedem selbst überlassen. Fast vergessen, teilweise zurückgebaut und heute mit einer Wochenendsperrung versehen, schlummert hier ein Großprojekt des dritten Reiches: der Großdeutschlandring. Eine Naturstrecke für Wagenrennen, bis 1933 für Bergrennen benutzt und von 1933-1940 zum 10.000m Rundkurs ausgebaut. Damals wie heute Teil des öffentlichen Straßennetzes.

Topographie

Das Höhenprofil der Sächsischen Schweiz ist von den weithin sichtbaren Tafelbergen geprägt. Bei näherer Betrachtung erkennt der Reisende neben den majestätischen Tafelbergen auch andere schroffe Felsen und wilde Schluchten. Auf den Ebenheiten finden sich fruchtbare Böden mit reicher Kulturlandschaft.

Die höchsten Erhebungen auf deutscher Seite sind der große Zschirnstein (562m) und der große Winterberg (552m). Der Linienstein als markantester Tafelberg hebt sein Pateau hingegen nur auf 415m ü.NN. Auf tschechischer Seite stellt der hohe Schneeberg (Decínský Sneznik) mit seinen 726m den höchsten Berg des Elbsandsteingebirges dar.

Der Elbsandstein

Der Sandstein besteht zu 98-100% aus Quarzkörnern. Die Festigkeit des Steines wird durch die Stärke der Bindung im Kornskelett bewirkt. Oft wird beim Sandstein außerdem von so genannten Bindemitteln gesprochen, denn neben den Quarzkörnern sind auch andere Materialien wie Tone, Eisenoxyde und in den Randbereichen der Sächsischen Schweiz auch Kalk eingelagert. Der Begriff Bindemittel ist jedoch etwas irreführend, da diese Materialien nicht unmittelbar zur Kornbindung beitragen, sondern eher die Porenräume ausfüllen - wo sie je nach Materialeigenschaften natürlich auch zum Zusammenhalt des Sandsteins beitragen können. Kieselsäure hingegen ist ein recht wirksames Bindemittel. Sie kann auf unterschiedliche Weise entstehen:

  1. aus eingelagerten Schalenbruchstücken von Kieselalgen oder Strahlentieren des Kreidemeeres. Diese Schalen können im Laufe der gesteinsbildenden Prozesse aufgelöst und als Quarz wieder ausgefällt werden.
  2. durch Verwitterung der eingelagerten silikatischen Feldspäte im Sandstein. Sie zerfallen durch hydrolytische Spaltung zu Kieselsäure.
  3. durch Lösung der Quarzkörner selbst. Diesem Lösungsprozeß unterliegen die einzelnen Quarzkörner ständig, wenn er auch sehr langsam vonstatten geht. So wird an einer Stelle dem Sandstein Kieselsäure entzogen und an anderer Stelle wieder ausgeschieden. Auf diesen Prozess ist auch die Entstehung der bekannten Kieselkruste auf der Oberfläche des Sandsteins zurückzuführen.

Die silbergraue bis schwarze Kieselrinde auf der Oberfläche des Sandsteines, auch Patina genannt, ist ein spezielles Phänomen des sächsischen Sandsteines. Bei anderen Sandsteinfelsen (Pfalz, Utah) ist sie kaum zu finden. Ihre dunkle Färbung beruht wahrscheinlich auf einem hohen Anteil oxidierender Eisenminerale.

Felswände mit einer durchgehenden Kieselrinde (z.B. Tisaer Wände - Foto rechts und rechts oben) unterliegen kaum der Verwitterung und erweisen sich als äußerst stabil. Bei gut erhaltenen Kieselrinden ist die Oberfläche oft relativ glatt (z.B. am Pfaffenstein), da die angerissenen Zwischenräume zumeist mit Quarz gefüllt sind.

Vegetation

Das ausgeprägte Felsrelief der Sächsischen Schweiz mit seinen engen Schluchten und exponierten Felsgipfeln ist einer sehr unterschiedlichen Intensität der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. In den Schluchten ist es z. B. ganzjährig kühl und feucht. Hier wachsen Baumarten, die eigentlich in hohen Lagen Wind und Kälte trotzen wie beispielsweise Tannen und Fichten. Oben auf den Felsköpfen, auf denen Hitze und Trockenheit dominieren, wachsen dagegen Pflanzen der tieferen Lagen wie Kiefern, Birken und Heidekraut. Oben und Unten eines Gebirges scheinen vertauscht.

Geschichte und Tradition

Die ersten künstlerischen Gemälde und Radierungen entstanden ab 1650 durch Caspar Merian und Gabriel Bodenehr (1720) von der Festung Königstein und dem Lilienstein, damals noch mit viel künstlerischer Freiheit. Ebendso wie 1726 Hofmaler Johann Alexander Thiele, welcher durch seine Prospektdarstellungen bekannt wurde. Viele Maler späterer Generationen folgen ihnen. Dadurch entstanden auch die ersten Wanderbeschreibungen um 1750, wobei das erste bedeutende Werk 1786 entstand (Geschichte und Beschreibung des Chursächsischen Amts Hohenstein und Lohmen - W.L. Götzinger). Die Namensgebung Sächsische Schweiz wird den beiden schweizer Malern Adrian Zingg und Anton Graff zugeschrieben, die im 18. Jahrhundert das Elbsandsteingebirge bereisten. Weitere bekannte Namen sind Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus, Ludwig Richter, Johan Christian Clausen Dahl oder auch Ernst Ferdinand Oehme. 1794/95 schrieb C.A. Engelhardt seine "Malerischen Wanderungen". Auf diese Künstler geht auch der Begriff Malerweg zurück. Dieser wird noch heute als beliebte Wanderroute genutzt. Als Grundlage dient der 1801 erschienene  "Wegweiser durch die Sächsische Schweiz" von Pfarrer C. Nicolai. Viele Nachfolgende berufen sich auf ihn. Als 1851 die Eisenbahnlinie Dresden-Teschen-Bodenbach eröffnet wird, ändert sich jedoch das Reiseverhalten.

Auch die Wirren des dritten Reiches ziehen nicht spurlos vorbei. Zu trauriger Berühmtheit gerät die Burg Hohnstein, als im März 1933 dort von der SA-Gruppe das erste Konzentrationslager für politische Gefangene eingerichtet wird, welches wegen besonders sadistischer Grausamkeiten im August 1934 bereits wieder auf gerichtlichen Beschluss geschlossen wird. Die Vorfälle waren selbst für den Reichsjustizminister Dr. Franz Gürtner zu viel. Im April 1938 verfügte Gauleiter Mutzmann, so zu entnehmen der Geschichte Pirna, "Zur Beseitigung fremdländischer Vergleichswerbung ist die Gebietsbezeichnung Sächsische Schweiz in Sächsisches Felsengebirge umzuwandeln." (Pirnaer Anzeiger vom 7.4.1938, S.2) Jedoch setzten sich stattdessen die Begriffe Elbgebirge und Elbsandsteingebirge durch.

Nach Ende des dritten Reiches war es freilich so, dass wieder freimütig der Begriff Sächsische Schweiz verwendet wurde und bis heute verwendet wird.

Müglitztal















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